Uraufführung
Stacheln im Sturm

Komödie von Jens Raschke & DeichArt

Drei Schauspieler und ihr Techniker tingeln seit Jahren mit einer kindgerechten Theaterversion von „Bambi“ durch die Lande. Schulaulen, Kindergärten und Turnhallen sind ihre Bühnen. In ihrer ziemlich eigenwilligen Fassung des berühmten Tierromans stirbt Bambis Mutter gar nicht, sondern kehrt am Ende zurück, und alle sind fröhlich und vergnügt. Erzählt wird die Geschichte von drei Igeln (daher auch der Titel des Stücks).

Eines Tages kippt der Techniker tot vom Hocker - mitten während einer Familienvorstellung in der tiefsten Walachei! Geschockt von dem plotzlichen Verlust machen die drei Herren in den sogenannten „besten Jahren“ sich nun ihre ganz persönlichen Gedanken: über ihr bisheriges Leben, über die ungewisse Zukunft, über die Kunst, ein Igel zu sein - und natürlich darüber, ob der Tod von Bambis Mutter nicht doch irgendeinen Sinn gehabt haben könnte...

Der mehrfach preisgekrönte Kieler Dramatiker und Regisseur Jens Raschke hat eine ebenso leichtfüßige wie philosophische Krisenkomödie geschrieben, mit allerhand Slapstick, Tiefgang, Musik - und viel, viel Identifikationspotential.


"Jens Raschkes neues Stück „Stacheln im Sturm“, das unter seiner Regie als Produktion von Deichart am Silvesterabend im ausverkauften Kulturforum seine Uraufführung erlebte, hat es in sich. Da wird die Geschichte vom ewigen Kult-Kitz Bambi als Spiel im Spiel im Spiel nämlich ziemlich heftig  gegen das zart gesprenkelte Jungtier-Fell gebürstet.

Im Grunde besteht das Stück aus zwei mit diebischer Freude zusammen gebastelten und ineinander verwobenen Handlungssträngen.

Da ist zum einen die Rückschau auf die Entstehung des Stücks im Probenraum und der „private“ Umgang der Schauspieler miteinander. Dabei spielt auch der Tod des Technikers eine wichtige Rolle.

Da hineingeblendet werden Ausschnitte der Vorstellung des Weihnachtsmärchens. Zwischen Albernheit und Tiefe, Slapstick und traurigem Witz geben die Schauspieler spielenden Schauspieler Matisek Brockhues, Eirik Behrendt und Tom Keller dabei eine echte Meisterleistung.

Der mehrfach preisgekrönte Autor und Regisseur Raschke macht viele Angebote. Was bedeutet der Tod? Wie wichtig ist er fürs Leben? Initialzündung oder Abschluss? Ist der Exitus in der Fiktion anders zu verarbeiten als im echten Leben. Kann man da überhaupt eine Grenze ziehen?

Eine Menge Fragen. Dabei ist es typisch für Raschke und definitiv eine Qualitätsmerkmal seines Schaffens, dass er uns die Antworten mal schön selber rausfinden lässt, wenn es denn überhaupt welche gibt. Er selber jedenfalls maßt sich nicht an sie zu kennen, geschweige denn, sie zu verkaufen. Vielmehr durchziehen Doppelbödigkeit und Ironie beinahe jede Zeile des Stücks. Und die mögliche Wahrheit dahinter? Wahrscheinlich ist der Weg das Ziel. Bei Bambi, den Igeln, den Schauspielern und bei Groß und Klein immer und überall auf der Welt. Großer Applaus!"

Thomas Richter, Kieler Nachrichten, 2. Januar 2019

 

Regie: Jens Raschke

Ausstattung: Sibylle Meyer

Mit: Eirik Behrendt (Torben), Matisek Brockhues (Rudi) und Tom Keller (Sönke)